Vortragtag 2026: Vom Wesen der Verwundbarkeit
17. Oktober 2026 ab 9 Uhr

Seit 28 Jahren begleitet und stärkt der Sterntalerhof Familien mit lebenslimitierend erkrankten Kindern. Mensch zu sein bedeutet, im Bewusstsein der eigenen Verletzlichkeit und Endlichkeit zu leben – eine „conditio humana“, wie der Mediziner und Philosoph Giovanni Maio betont. Anstatt diese Verletzlichkeit als Schwäche zu sehen, versteht er sie als „Schwester der Autonomie“: Erst wo wir uns unserer Hilfsbedürftigkeit bewusst werden, können wir einander in echter Bezogenheit begegnen.
In der Kinderpalliativ- und Hospizarbeit übersetzt sich dieser Gedanke in einen täglichen Balanceakt: Wie viel Fürsorge braucht ein Kind, und wie viel Autonomie lässt sich selbst in Phasen schwerster Krankheit bewahren?
Als Fundament dienen dabei die vier Grundprinzipien der modernen Medizin- und Pflegeethik: Fürsorge, Nichtschaden, Gerechtigkeit und Autonomie. In der Praxis scheinen sich diese Werte manchmal zu widersprechen – etwa dann, wenn Hilfsbedürftigkeit das Selbstbestimmungsrecht zu überlagern droht.
Impulse und Perspektiven aus der Praxis
Welche Haltungen und Strukturen sind nötig, um diese Spannungen aushalten zu können und Verletzlichkeit nicht als Mangel, sondern als gemeinsame Ressource erfahrbar zu machen? Diesen und mehr Fragen widmen wir uns am diesjährigen Vortragtag.
Den Anfang macht Julia Schiebinger-Honc, Elementarpädagogin am Sterntalerhof. „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, stellte Ludwig Wittgenstein fest. Julia erweitert diese Grenzen: Durch sensorische Integration ermittelt und wahrt sie Willensäußerungen beeinträchtigter Kinder und eröffnet neue Wege echter Autonomie.
Im Mittelpunkt der Arbeit am Sterntalerhof stehen die Familien. Das Bewusstsein eigener, unaufhebbaren Verletzlichkeit als Ressource trägt Begleitende und Begleitete durch Zeiten und Veränderungen. Dominic Dietl teilt persönliche Einblicke seiner Familie und seines Netzwerks über haltgebende Beziehungsgestaltung in Zeiten von Verlust und Trauer.
Wie die Titelfigur aus Michael Endes Roman „Momo“ schenkt Dr.in Martina Kronberger-Vollnhofer Zeit und wahrhaftige Präsenz. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde und Gründerin hat über zwei Jahrzehnte Erfahrungen im St. Anna Kinderspital gesammelt bevor sie 2013 das MOMO Kinderpalliativzentrum gegründet hat. Sie wird zum Abschluss des diesjährigen Vortragtags die Grundlagen der modernen Medizin- und Pflegeethik anhand der gelebten Praxis im bei MOMO erläutern.
Programm und Ablauf:
Samstag, 17. Oktober 2026, ab 9 Uhr
09:15 Uhr: Julia Schiebinger-Honc: Sprache jenseits von Worten
10:30 Uhr: Dominic Dietl: Was uns getragen hat
12:00 Uhr: Dr.in Martina Kronberger-Vollnhofer: Verletzlichkeit als Ressource
Die Teilnahme ist kostenlos. Die Plätze beim Vortragtag sind erfahrungsgemäß beliebt und auf 70 Teilnehmer*innen begrenzt. Wir bitten daher um verbindliche Anmeldung.
In Kürze
Worum geht es beim Vortragtag?
Wann findet der Vortragtag statt?
Welche Vorträge sind im Programm vorgesehen?
Kostet die Teilnahme etwas?
Gibt es eine Begrenzung der Teilnehmer*innenzahl?
Kann ich den Vortragtag auch per LiveStream verfolgen?