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Hand in Huf

„Enrichment“ bereichert die Lebensumgebung der Pferde am Sterntalerhof – und stärkt die Verbindung zwischen Mensch und Tier.

15. Mai 2026
Hand in Huf
„Eine lebendige, spielerische Verbindung, die Pferde und Menschen gleichermaßen bereichert – und die einmal mehr zeigt, dass Lernen, Staunen und Lachen Hand in Huf gehen können.“

Die Szene beginnt mit einem leisen Plopp. Ein Apfel landet in der Wassertonne – und sofort richten sich mehrere Pferdeköpfe neugierig in seine Richtung. Stute Summer wagt sich vor, schnuppert, stupst das Wasser an. Der Apfel tanzt davon. Noch ein Versuch, diesmal entschlossener: Die Nüstern tauchen ein, das Wasser schwappt, der Apfel entwischt wieder. Am Rand wird gelacht. Ein Kind hält den Atem an. Und Summer? Probiert es erneut.

Was hier aussieht wie ein nasser Spaß, ist in Wahrheit viel mehr: Ein Moment voller Neugier, Konzentration und tierischer Persönlichkeit – und ein Beispiel für das, was man in der modernen Tierhaltung „Enrichment“ nennt. „Was in Zoos längst gang und gäbe ist, hält immer mehr auch in der Pferdewelt Einzug“, erzählt Therapeutin Elisabeth Zwiauer, die das Prinzip des „Enrichment“ gemeinsam mit ihren Kolleginnen schrittweise auf die Koppeln am Sterntalerhof bringen will – mit dem Ziel, die Lebensumgebung der Therapiepferde um kleine Aufgaben zu bereichern und so den natürlichen Bedürfnissen der Tiere noch besser gerecht zu werden.

Der Ansatz ist dabei so einfach wie grundlegend: Pferde wollen sich bewegen, während sie fressen. In der Natur legen sie weite Strecken zurück, immer auf der Suche nach dem nächsten Bissen. Auf der Koppel und im Stall dagegen steht das Futter oft kompakt an einem Ort bereit. „Das passt eigentlich gar nicht zu den Pferden“, erklärt Elisabeth. „Dieses ‚ein Schritt, ein Bissen‘ – das wollen wir wieder anregen.“

Neue Räume auf der Koppel

Intern augenzwinkend als „Montessori-Koppel“ bezeichnet, arbeitet das Team der pferdegestützten Therapie daran,, eine Umgebung zu schaffen, die zum Entdecken einlädt. Statt einer zentralen Futterstelle wird das Heu auf der Fläche verteilt. Heubälle und -säcke liegen an verschiedenen Punkten, sodass die Pferde von einem Ort zum nächsten wandern. Dabei wird mitunter auch die Koppel umgestaltet: „Wir haben ein großes Viereck und überlegen, in der Mitte noch einmal einen eigenen viereckigen Bereich abzutrennen“, erzählt Elisabeth. „So können die Pferde nicht einfach diagonal abkürzen, sondern müssen wirklich außen herumgehen, um zum nächsten Heuball zu gelangen“ Der Nebeneffekt: in der Mitte entsteht ein neuer Raum, in dem sich Kinder und Familien einfach hinsetzen können, um die Tiere zu beobachten. „Das ist ganz bewusst so gedacht.“ lächelt Elisabeth. „Man muss nicht immer etwas tun. Man darf auch einfach mal nur da sein – und zuschauen.“

Damit sind die Familien am Sterntalerhof einmal mehr in die Arbeit mit den Therapiepferden eingebunden. „Viele Familien haben das Bedürfnis, den Tieren etwas zurückzugeben.“ sagt Elisabeth, „Sie wollen für die Pferde sorgen, ihnen etwas Gutes tun.“ Enrichment kann so zu einer Brücke werden, zwischen Geben und Nehmen, zwischen Aktivität und Beobachtung – zwischen Mensch und Tier. „Es ist einfach herrlich, dem Pferd zuzusehen, wie es den Apfel aus der Tonne fischen will –“, lächelt die Therapeutin amüsiert, „wie es schnuppert, schlabbert, spuckt und Spaß daran findet, Strategien zu entwickeln. Und dieses Flehmen, das Hochziehen der Oberlippe, sorgt nicht nur bei Kindern immer wieder für Lacher.“ Es sind Szenen, die Leichtigkeit bringen – und gleichzeitig viel über die Tiere selbst erzählen.

Am Ende wird Summer den Apfel erobern – unter tosendem Applaus der umstehenden Kinder. Ein Plopp, ein Pferd, eine Szene.  Für das Tier Bewegung, mentale Anregung und ein Erfolgserlebnis – für den Menschen ein Staunen über die Fertigkeiten, die Intelligenz und die pure Freude, die ein Pferd bringen kann. „Das ist, was wir uns am Sterntalerhof von Enrichment versprechen.“, lächelt Elisabeth,


In Kürze

Was bedeutet „Enrichment“ in der Pferdehaltung?
Damit sind kleine Aufgaben und Abwechslungen gemeint, die die Umgebung der Pferde bereichern. Ziel ist, natürliche Bedürfnisse besser zu unterstützen und den Tieren mehr Bewegungs- und Denkanreize zu geben.
Warum setzt der Sterntalerhof auf Enrichment für Therapiepferde?
Das Team der tiergestützten Arbeit möchten die Koppeln schrittweise so gestalten, dass die Pferde mehr entdecken können. So sollen Bewegung, Konzentration und individuelle Verhaltensweisen der Tiere gefördert werden.
Wie wird das Füttern auf der Koppel verändert?
Statt einer zentralen Futterstelle wird das Heu auf der Fläche verteilt, etwa in Heubällen oder -säcken an mehreren Punkten. Dadurch wandern die Pferde von Ort zu Ort, ähnlich wie in der Natur beim „ein Schritt, ein Bissen“.
Was hat es mit der „Montessori-Koppel“ auf sich?
So nennt das Team intern augenzwinkernd eine Koppel, die zum Erkunden einlädt. Überlegt wird auch, in der Mitte einen eigenen Bereich abzutrennen, damit die Pferde nicht einfach abkürzen und mehr Strecke zurücklegen.
Wie werden Familien in das Konzept eingebunden?
Durch die Koppelgestaltung entsteht in der Mitte ein Bereich, in dem Kinder und Familien sitzen und die Tiere beobachten können. Das ist bewusst so gedacht, weil viele Familien das Bedürfnis haben, den Pferden etwas zurückzugeben und ihnen Gutes zu tun.

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