Autor: Stephan Zwiauer
Die Entwickler*innen von Pferdinands Trostbox haben sich im Sternenhaus getroffen und über die Hintergründe und Inhalte dieses Instruments der Trauerbegleitung gesprochen.
Isabellas Vermächtnis
„Da ist immer ein Mysterium zwischen Leben und Tod.“ Regina wählt ihre Worte mit Bedacht, ihre Stimme balanciert zwischen Trost und Erkenntnis. „Da ist immer etwas, das wir nicht begreifen oder gar steuern können.“ Und doch spricht sie aus tiefer Überzeugung, als wäre sie am Ziel einer langen Reise angekommen. Einer Reise, die aus vielen Fragen und wenigen Antworten bestand, aus unermesslichem Leid und galoppierender Freude, aus beißendem Schmerz, vergeblicher Hoffnung und dem großen Glück des kleinen Moments. Einer Reise, die in den 90er Jahren begann, mit einem kleinen Mädchen – und mit...
Süße Versuchung
Die Frage nach der Lieblingsschoko drängt sich auf – unweigerlich. Weil es sage und schreibe 270 (!) Produkte sind, die in den ehrwürdigen Hallen der Confiserie Heindl von den Konfektmachern, Konditoren und Chocolatiers des Wiener Traditionsbetriebs hergestellt werden. Weil man sich da entscheiden müsste, zwischen unterschiedlichsten Sorten feinster Tafelschokolade, zwischen Pralinen, Schoko-Maroni (die besten kommen aus Wien!), Schokokugeln und Likörkugeln, zwischen Wiener Nougat und Wiener Trüffel, zwischen Powidltalern und Nussbeugeln. Und weil selbst der Chef bei dieser Frage ins...
Mio fliegt
Der Wind, hier oben weht er stärker als unten im Tal. Aber es ist ein leichter, warmer Sommerwind, er duftet nach dem Heu der Wiesen und ein bisschen nach den Tannen an den Berghängen. Mio atmet tief ein. Er steht auf einer kleinen Plattform aus Eisen, der Flying Fox. Schon zuhause hat Mama davon erzählt und dass es wohl das Spannendste und Aufregendste werden würde – in diesem ersten Urlaub seines Lebens. Der Flying Fox, ein dickes Seil aus Stahl, ähnlich dem einer Seilbahn, an dem man hoch über der Erde ins Tal schweben kann, ein Gefühl wie wenn man fliegt. Schon zuhause hat Mio ein...
Ein Platz an der Sonne
Unabhängigkeit ist das Gebot der Stunde. In einer krisengebeutelten Welt wird die Unabhängigkeit zur Verheißung – zur nachhaltigen Antwort auf die Heraus-forderungen unserer Zeit, zum Brückenschlag zwischen Klimawandel und Sicherung des Friedens: Unabhängigkeit ist Freiheit, Freiheit im Denken, Freiheit im Handeln.
Das spüren wir am Sterntalerhof schon lange – und nicht nur in der unmittelbaren Arbeit mit unseren Kindern und Familien, die in der Unabhägigkeit die Freiheit von Angst und und Bedrohung finden, wie etwa die kleine Heldin unserer Titelgeschichte. Wir spüren es auch, wenn wir auf...
Was es noch braucht
Was braucht’s? Es ist eine einfache Frage, aber am Sterntalerhof ist sie von zentraler Bedeutung. Was braucht’s, damit Familien deren Leben völlig aus den Fugen geraten ist neue Kraft schöpfen, neue Zuversicht finden? Was braucht’s, um der Angst zu begegnen, die das Leben einer Mutter bestimmt, wenn das Morgen ihres Kindes in den Sternen steht? Was braucht’s, damit ein Geschwisterkind wieder Kind sein kann? Und was braucht’s damit das schwer kranke Kind inzwischen gut und sicher aufgehoben ist? Was braucht’s? Die Frage wird immer neu gestellt, weil es darauf so viele unterschiedliche...
Willkommen im Sternenhaus
Endlich! Nach fast zwei Jahren sorgfältiger Planung und tatkräftiger Umsetzung (Der Sterntaler hatte berichtet) ist das neue Sternenhaus am Sterntalerhof bezugsbereit.
Zu den ersten Gästen, die es beherbergen wird, zählen Familien aus dem neu gestarteten Projekt „Regionale Trauerbegleitung“. Sie stammen aus den umliegenden Bezirken im Südburgenland oder in der Steiermark und können nun im unmittelbaren Zeitraum nach dem Verlust eines Kindes oder Elternteils am Sterntalerhof akut betreut werden. Dafür wurde im vergangenen Sommer ein eigenes kleines Bezugsteam zusammengestellt,...
Mias Geschenk
Mia sitzt nach vorn gebeugt auf einem kleinen Sessel. Gedankenversunken starrt sie auf die Tasse heiße Schokolade in ihrer Hand, mit einem Löffel zieht sie kleine Kreise in die Milch. Draußen hat der Januar ersten Schnee gebracht, und obwohl es hier im Kunstraum angenehm warm ist – die heiße Schokolade tut irgendwie gut. Heute ist Papas Geburtstag. Mia ist neun, sie kann sich gut erinnern, wie es war, als sie Papas Geburtstag noch mit Papa feiern konnte. Wie es war, als sie sich auf diesen Tag freute, fast ein bisschen so, als wäre es ihr eigener Geburtstag. Wie es war, als sie sich...
Eriks Papagei
Superhelden können das. Erik atmet durch. Was, wenn der Papagei heute nicht mehr da ist. Michi sagt, er wird wieder da sein. Schließlich war er auch gestern wieder da, an genau derselben Stelle im Urwald, nicht weit entfernt von der Wiese mit dem Blumeneistee. Erik ist sich sicher, dass er die Stelle wieder finden wird. Superhelden können das. Und schließlich hat er ja Summer, das Pferd auf dem er sitzt – und natürlich Michi, die das Pferd und seinen kleinen Reiter zu Fuß begleitet. Die Morgensonne bricht durch die Bäume und legt ein frühlingshaft funkelndes Licht auf den Urwaldweg. Bis vor...
„Es gibt viele, die nimmer können.“
Herr Ochsenhofer, wie haben Sie die Pandemie erlebt?
In Wellen. Alle Entwicklungen und Veränderungen kamen und gingen in Wellen. Einerseits basiert unser Alltag auf den Erfahrungen, die wir in den Wellen zuvor gemacht haben – andererseits ändern sich mit den Wellen auch die Herausforderungen, denen wir im Gesundheitswesen gegenüberstehen.
Inwiefern hat sich das verändert?
Nun, die erste Welle brach wie ein Ausnahmezustand über uns herein. Niemand wusste, wie man mit dem Virus umgehen musste – und wie gefährlich es war. Überall fehlte es an Schutzausrüstung. Erinnern Sie sich an das...
Das Leben ist ein Fluss
Für die einen mag das Leben wie ein rauschender Fluss sein: Pläne werden geschmiedet, Ziele verfolgt, und in einer dynamischen Bewegung fließt es leicht und unbemerkt in die richtige Richtung.
Für manch andere birgt der Fluss des Lebens jedoch unerwartete Wendungen: Wo gerade noch Struktur und Alltag die Reise bestimmten, folgt ganz plötzlich eine abrupte Kursänderung. Von heute auf morgen ist auf einmal unklar, wohin – und vor allem wie – der Weg weiterführen soll.
Vielleicht kein Zufall, dass sich gerade hinter dem Sterntalerhof die Lafnitzauen verbergen. Eines jener seltenen...
Die Freiheit im Unausweichlichen
Der Sterntalerhof schenkt Kindern ein Heute, deren Morgen in den Sternen steht: Seit über 20 Jahren verfolgt das Kinderhospiz den Ansatz der stationären Betreuung von betroffenen Familien mit schwer- oder sterbenskranken Kindern. Sie kehren am Sterntalerhof ein, um neue Kraft, neuen Mut und neue Zuversicht zu tanken. Sie verbringen hier eine, manchmal zwei oder drei Wochen. Sie verbringen hier Zeit abseits ihres Alltags, in einer Umgebung, die sich wie eine Auszeit – für die Kinder vielleicht sogar fast wie ein Urlaub anfühlt: Auf einem Hof mit Tieren, in einer barrierfreien und...
„Trauer ist keine Krankheit“
Herr Dr. Herincs, das Sternenhaus nimmt Gestalt an. Was empfinden Sie?
Freude. Wir haben so lange drauf gewartet. Ich freue mich sehr, dass der Bau nun möglich wurde. Es ist so wichtig für den Sterntalerhof. Es ist, als hätten wir in Kitzladen das letzte Mosaiksternchen gesetzt. Als wäre der Sterntalerhof jetzt „komplett“.
Inwiefern?
Nun, bisher hatten wir hier keinen Rahmen für den Akt des Sterbens selbst. Den Abschied begleiten wir immer schon, vor und nach dem Tod eines betroffenen Kindes. Mit dem Sternenhaus konnten wir nun endlich einen Raum schaffen, in dem auch das Sterben selbst...
Der Herr der Klänge
Wenn Dominik über seine Schwester Fiona spricht, wird seine Stimme immer ein bisschen leiser. Fast so, als ob Fiona nicht hören sollte, dass Dominik von ihr spricht. Dabei weiß Fiona ganz genau, dass sie krank ist. Es ist kein Geheimnis, jeder kann es sehen, überhaupt jetzt, wo sie keine Haare mehr hat. Es ist auch kein Geheimnis, dass Papa weggezogen ist – und Mama jetzt alleine ist, mit Fiona, mit Dominik und mit Kerstin, Dominiks ältester Schwester. Vielleicht wird Dominiks Stimme jetzt auch immer ein bisschen leiser, wenn er über früher spricht. Denn früher – war das alles anders. Es...
Martins Geschichten
Zu Martins Geschichten gehört die Geschichte mit dem Erdhügel. Vielleicht ist es auch ein bisschen Helgas Geschichte, denn für Helga, Martins Mama war sie besonders wichtig. Und sie kann sich besser an den Erdhügel erinnern als Martin – weil Martin damals erst fünf war. Es waren wohl Bauarbeiter gewesen, die den Erdhügel angehäuft hatten, unweit von dem großen Haus, in dem Martin mit seiner Mama und seinem kleinen Bruder Max wohnte und sie hatten ihn ganz bestimmt nicht für die Kinder aus dem Grätzel angehäuft – doch auf die Kinder übte der drei Meter hohe Haufen eine große Anziehungskraft...














