Geschichten vom Sterntalerhof

Im Leben ist vieles möglich.
Am Sterntalerhof auch.
Hier können Kinder und deren Familien ihr Schicksal annehmen lernen. Eingebettet in ein persönliches Umfeld werden hier Familien von einem interdisziplinären Team aus Pädagogen und Therapeuten, Psychologen und Seelsorgern ein Stück ihres schweren Lebensweges begleitet. Inmitten von Natur und unterstützt von speziell ausgebildeten Therapiepferden, die es verstehen, die Herzen der Kinder direkt zu erreichen.
Die Möglichkeit, den eigenen Impulsen zu folgen.
Sophie, ein junges Mädchen, war schon mal auf einer Geschwisterwoche auf dem Sterntalerhof. Die diplomierte Kunsttherapeutin Susanne Graf-Redl erinnert sich: Für den Freitag Nachmittag haben wir eine besondere Veranstaltung geplant – ein Theaterstück, welches die Kinder erfinden und dann spielen können. Mit Begeisterung probten sie jeden Tag. Sophie war es möglich in der Theatergruppe ihr „EIGENSTES“ zu finden; weg vom „Funktionieren müssen“ hin zum „Sein dürfen“ – im Hier und Jetzt! Dies war so meine Wahrnehmung: "Sophie, du bist ja voll dabei und mitten drin!" Im gemeinsamen Arbeiten zunächst sehr zaghaft, konnte sie nach einigen Proben ihren Impulsen folgen und ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen. Sie hatte viel Spaß und letztendlich war es für die „Geschwisterkinderrunde“ eine gänzlich neue, gewinnbringende Erfahrung.
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Die Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen.
Es ist Freitag Vormittag und die Aufregung ist groß. Gleich ist es soweit und alle Kinder, die diese Woche am Sterntalerhof sind, ziehen sich um, schminken sich und üben nochmals die letzten Schritte. Sie haben die ganze Woche geprobt und eine „Tanzvorführung“ für die Eltern kreiert. Claudia hat die Kinder dabei intensiv unterstützt und ist begeistert, was für eine tolle „Show“ sie erarbeitet haben. Nun geht’s los! Die Musik beginnt, die Kinder betreten die Bühne in ihren selbstgestalteten Kostümen und gehen in ihrem Tun ganz auf. Die Eltern staunen mit offenen Augen. Als die Musik verstummt gibt es tosenden Applaus, und so manche Träne kullert aus Elternaugen ... Claudia Ritter resümiert: Für die Kinder war es "nur" eine Tanzvorführung, für die Eltern "nur" ein einmaliges Erlebnis. Für mich wieder einmal die Bestätigung: Die Kombination von therapeutischen, pädagogischen und sensorischen Inputs auf Basis unserer langjährigen interdisziplinären Erfahrung führt zu nachhaltiger Effektivität im Familienalltag; oder anders ausgedrückt: wieder einmal ein typisches Sterntalerhof-Projekt!
Die Möglichkeit, sich zu trauen.
Mag.a Lisa Graschopf, HPV-Therapeutin, erzählt: Melanie verbrachte gemeinsam mit ihrer Familie eine Woche bei uns am Sterntalerhof. Die langen Spitalsaufenthalte haben der ganzen Familie viel Kraft gekostet. Als ich sie am Montag kennenlernte und ihr erzählte, dass ich gerne mit ihr zu den Pferden gehen möchte, war ihre Reaktion von Unsicherheit geprägt. Sie erzählte mir, dass Pferde sie sehr faszinieren, aber doch „sehr groß sind“. Als wir dann Benjamin, eines unserer Therapie-Pferde, holten, fing sie an zu weinen und sagte: „Ich kann das nicht! Bitte putz du ihn alleine.“. Ich fing an Benjamin zu striegeln. Melanie schaute mir auf der Bank sitzend zu. Sie brauchte eine Pause, denn ihr Körper war nicht mehr so kräftig wie früher. Nach einigen Minuten stand sie auf und begann mir beim Striegeln zu helfen. Ich erklärte ihr, dass es Benjamin sehr gefällt, wenn er gestriegelt wird - es sei für ihn ähnlich wie eine Massage. Plötzlich legte Melanie ihren Kopf auf Benjamins Bauch und versuchte den Herzschlag zu hören. Tränen füllten erneut ihre Augen, nur diesmal ganz anders...
Die Möglichkeit, Frieden mit sich selbst zu schließen.
Der 5-jährige Tobias fühlt sich wie ein Zirkusartist. Während „sein“ Pferd Gioiella geduldig innehält, versucht sich der Bub in kleinen Kunststücken. Mal kniet er, mal steht er auf dem Pferd und auch auf dem Pferderücken liegen macht richtig Spaß. Er grinst dabei übers ganze Gesicht und seine Fröhlichkeit wirkt ansteckend – auch auf seine Mutter. Sie sitzt am Rande der Therapie-Reithalle und ist glücklich, weil ihr Tobias hier so glücklich ist. „Dass ich das noch erleben darf“, flüstert sie mit einem leisen Lächeln. Sie weiß, dass ihre Tage gezählt sind. Umso wichtiger sind für sie diese Momente, die sie hoffen lassen, dass ihr kleiner Tobias stark genug sein wird für das, was kommen wird.
Die Möglichkeit, als Kind wieder Kind sein zu können.
In der Malwerkstatt herrscht buntes Kindertreiben. Und mitten drin der 6-jährige Markus. Während die Eltern seine unheilbar kranke Schwester Anna beim heilpädagogischen Reiten begleiten, hat er gerade sein erstes Bild fertiggestellt. Wunderschön ist es und Markus ist mächtig stolz. Zu Hause spielt er meist nur die zweite Geige. Weil seine Eltern ihre ganze Kraft und Energie für Anna brauchen, die rund um die Uhr betreut werden muss. Er ist ein stilles Kind und hat wenig Selbstvertrauen. „Warum bin ich gesund und die Anna krank“, fragt er sich. Hier am Sterntalerhof lebt er sichtlich auf und kann Kind sein wie andere auch.
Die Möglichkeit, im Schicksal wieder zueinander zu finden.
„Irgendwann muss man den Gedanken aufgeben, ein gesundes Kind zu haben“. Sabine und ihr Mann Felix wissen, wovon sie reden: Von ihrer 7-jährigen Tochter Lisa, die mit einer unheilbaren Stoff-wechselerkrankung zur Welt kam. Monatelange Spitalsaufenthalte, unzählige Arztbesuche und die niederschmetternde Prognose, dass Lisa nicht das Erwachsenenalter erleben wird. Sabine hat längst ihren Job aufgegeben, Felix weiß nicht, wie lange er seinen noch ausüben wird können. Beide sind am Ende ihrer Kräfte – und Ihrer Beziehung, die schwer darunter leidet. Hier am Sterntalerhof finden sie Ruhe und Zeit für sich selbst. Sie wissen Lisa in guten Händen und spüren erstmals nach langem, dass sie zueinander gehören.
Die Möglichkeit, das Glück auf dem Rücken der Pferde zu empfinden.
„Warum schaffen Pferde, was Menschen oft nicht schaffen“, fragt Claudia, die ihre 11-jährige Tochter Daniela gerade beobachtet, wie sie ihr Therapiepferd Benji striegelt. Gleich wird sie aufsteigen und sich leicht fühlen, getragen von einem Lebewesen, das sie sein lässt, wie sie ist. Sie wird den Strick locker in die Hand nehmen und Verantwortung übernehmen für sich und das Pferd, wenn sie gemeinsam auf die Koppel zurückgehen. Das vermittelt Stärke, ist gut für ihr Selbstbewusstsein. Daniela kann es brauchen. Vor einem halben Jahr noch war sie sterbenskrank. Jetzt braucht sie viel Kraft für ihr „zweites Leben“. Der Sterntalerhof und Benji helfen ihr dabei.
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