Geschichten, die das Leben schreibt - am Sterntalerhof

Am Sterntalerhof können Kinder und deren Familien ihr Schicksal annehmen lernen. Eingebettet in ein persönliches Umfeld werden hier Familien mit schwer-, chronisch und sterbenskranken Kindern von einem interdisziplinären Team aus Pädagogen und Therapeuten, Psychologen und Seelsorgern auf dem Weg zurück in einen stabilen Alltag begleitet. Inmitten von Natur und unterstützt von speziell ausgebildeten Therapie-Pferden, die es verstehen, die Herzen der Kinder direkt zu erreichen.


Wenn Kinder wieder Kinder sind

Die erste Geschwister-Woche dieses Jahres startet genauso herzlich wie im Vorjahr. 8 Mädchen und Burschen, allesamt Kinder mit einem schwerkranken oder verstorbenen Geschwisterchen, verbringen auch heuer wieder eine Woche am Sterntalerhof. Die meisten kennen einander noch vom letzten Jahr, die Vertrautheit von damals ist schnell wieder aufgebaut. Gemeinsam wird gelacht und gespielt, aber auch über die eigenen Erfahrungen und Gefühle gesprochen.

Vor allem das Eintauchen in die eigene Fantasiewelt ist eine natürliche Ressource, gibt Kraft und lässt das Gefühl von Unbeschwertheit aufkommen: Es fallen Sätze wie „Schau, die Schnecken hier am Boden machen ein Wettrennen!”. Ein Spaziergang zur Lafnitz wird zu einem aufregenden Abenteuerweg für Max und Lukas: Raupen beobachten, den Seifenblasen beim Fliegen zusehen, sich beim Beobachten der Wolken Geschichten erzählen - die Fantasie ist grenzenlos.

Die ganze Gruppe taucht innerhalb kürzester Zeit in diese Fantasiewelt ein. Die Augen der Kinder funkeln vor Freude, schelmisches Lächeln verzaubert ihre Gesichter. Es ist wunderschön zu beobachten, wie sich unbeschwertes Kind sein breit macht!


Die märchenhafte Möglichkeit, Phantasie und Wirklichkeit zu verbinden.

“Es war einmal eine kleine, bildhübsche Prinzessin, nennen wir sie Vanessa. Vanessas Kleider glitzerten ganz in rosa, und silberne Schleifen verzierten ihr blondes Haar. Gekonnt zauberte die kleine Prinzessin Vanessa mit ihrem Feenstab einen rosa Tisch herbei, und alle Gäste setzten sich. Plötzlich bewegte Vanessa erneut ihren Feenstab und zauberte ihre große Schwester herbei an den Tisch. Die Gäste - unsere Psychologin Christina und Vanessas Mutter - saßen am Tisch und tranken Tee. Christina ließ sich auf die magische Welt von Vanessa ein und fragte bei der kleinen Prinzessin nach, diese antwortete: “Ich weiß, dass meine Schwester gestorben ist, aber mit meinem Feenstab kann ich sie beim Spielen immer herzaubern.” Die Mutter weint, entspannt sich langsam, ihre Unsicherheit verflüchtigt sich, am Ende lächelt sie .”

Christina erklärt: “Die kindlichen Phantasien und das magische Denken von vierjährigen Mädchen sind ihre persönlichen Ressourcen. Eltern sind oft verunsichert und weichen manchmal dem Thema Verlust und Sterben nahestehender Personen aus. Es hilft, wenn ich als Außenstehende mit Empathie mit dem Kind und der Familie darüber rede. Damit wird ein gegenseitiges Verständnis und daraus wieder ein 'Miteinander' möglich. Dies entlastet und verbindet die ganze Familie.”


Das GlĂĽck auf dem RĂĽcken der Pferde empfinden

„Warum schaffen Pferde, was Menschen oft nicht schaffen“, fragt Claudia, die ihre 11-jährige Tochter Daniela gerade beobachtet, wie sie ihr Therapie-Pferd Benji striegelt. Gleich wird sie aufsteigen und sich leicht fühlen, getragen von einem Lebewesen, das sie sein lässt, wie sie ist. Sie wird den Strick locker in die Hand nehmen und Verantwortung übernehmen für sich und das Pferd, wenn sie gemeinsam auf die Koppel zurückgehen. Das vermittelt Stärke, ist gut für ihr Selbstbewusstsein. Daniela kann es brauchen. Vor einem halben Jahr noch war sie sterbenskrank. Jetzt braucht sie viel Kraft für ihr „zweites Leben“. Der Sterntalerhof und Benji helfen ihr dabei.


Kraft schöpfen

Vor ziemlich genau einem Jahr kam Andreas das erste Mal auf den Sterntalerhof: Ein kleiner zerbrechlich wirkender Bub mit Down-Syndrom, der nicht sprechen konnte und dessen Körper kraftlos war. Sein Muskeltonus, das heißt seine Muskelstärke und -spannung, war schwach, seine Motivation sprechen zu lernen war sehr gering. Doch was danach folgte war selbst für unsere Pferde-Therapeutinnen überwältigend. Elisabeth schildert:

“Vor der ersten Begegnung mit ihr ist die Aufregung groß. Andreas lernt nämlich bei seinem zweiten Besuch unser Therapie-Pferd Falbe kennen, eine beeindruckend große, aber äußerst behutsame Noriker-Stute. Ich staunte trotz jahrelanger Erfahrung nicht schlecht: Andreas begrüßt Falbe mit einem “Bussi”, und aus seinen Augen strahlt nur eines: FREUDE; die Freude, Falbes warmes Fell zu streicheln und auf ihr zu sitzen; die Freude, ihre schwungvolle Bewegung zu spüren, die seinen ganzen Körper durchströmt, und letztlich die Freude, sich selber spüren zu lernen.

Bereits bei einer der nächsten Einheiten fängt Andreas an - auf Falbe sitzend -, eine Melodie zu summen, ich muss auch mitsingen. Sein Enthusiasmus, seine Kraft und auch seine Motivation steigen von Mal zu Mal, nach wenigen Wochen ist es soweit: Andreas beginnt, ein wenig zu sprechen. Sein Kommando für Falbe sagt er rhythmisch: “Falbe, bitte Schritt!”.

Mittlerweile sitzt Andreas regelmäßig alleine auf seinem Pferd und hält sich ohne fremde Hilfe aufrecht. Seine Muskulatur hat sich stabilisiert, seine Motivation so gestärkt, dass er neugierig durch die Welt geht und Neuem offen begegnet.”


Frieden mit sich selbst schlieĂźen

Der 5-jährige Tobias fühlt sich wie ein Zirkusartist. Während „sein“ Pferd Gioiella geduldig innehält, versucht sich der Bub in kleinen Kunststücken. Mal kniet er, mal steht er auf dem Pferd und auch auf dem Pferderücken liegen macht richtig Spaß. Er grinst dabei übers ganze Gesicht und seine Fröhlichkeit wirkt ansteckend – auch auf seine Mutter. Sie sitzt am Rande der Therapie-Reithalle und ist glücklich, weil ihr Tobias hier so glücklich ist. „Dass ich das noch erleben darf“, flüstert sie mit einem leisen Lächeln. Sie weiß, dass ihre Tage gezählt sind. Umso wichtiger sind für sie diese Momente, die sie hoffen lassen, dass ihr kleiner Tobias stark genug sein wird für das, was kommen wird.


Wieder weiter gehen

Im Frühling verbrachte Familie S. eine Woche am Sterntalerhof: Die Mutter schwer gezeichnet von ihrer Krebserkrankung, der Vater erschöpft, ihre beiden Töchter Melanie und Sarah traurig - eine belastete Familiensituation. Unser eingespieltes Team aus TherapeutInnen, PädagogInnen und PsychologInnen leistet wieder Mal ganze Arbeit, und es ist uns gelungen, etwas Stabilität in die Familie zu bringen. Die Bezugstherapeutin Claudia organisierte nach ihrem Familien-Aufenthalt die weiterführende ambulante Begleitung: Sarah und Melanie kamen jede Woche für zwei gemeinsame Stunden auf den Sterntalerhof. Der Gesundheitszustand der Mutter verschlimmerte sich zusehends, und die ambulante Arbeit wurde zur intensiven Sterbe- und Trauerbegleitung.

Frau S. verstarb nach einer kurzen Zeit. Ihr Partner genauso wie die beiden Mädchen wünschten sich “ihre” Bezugstherapeutin Claudia als Stütze am Begräbnistag. Diesen Nachmittag kann nur Claudia selbst schildern:

“Noch vor allen Trauergästen ging ich alleine mit Melanie und Sarah zum Sarg. Die beiden Mädchen verabschiedeten sich zum letzten Mal von ihrer Mutter; ein berührender Prozess, den ich nicht beschreiben kann. Später bestand Sarah darauf, dass wir gemeinsam den Regenbogentanz für ihre Mama tanzen, so wie wir es öfter am Sterntalerhof getan haben. ...”

Auch danach kamen die beiden Mädchen jede Woche für zwei Stunden auf den Sterntalerhof. Claudia begleitet ihren kindlichen Trauerprozess mit viel Hingebung, Empathie und professionellen Know-How. Diese Betreuung setzen wir noch über Weihnachten fort. Danach wird - so wie für alle “unsere” Familien - ein individueller Plan für die optimale weiterführende Unterstützung zusammengestellt.


Den eigenen Impulsen folgen

Sophie, ein junges Mädchen, war schon mal auf einer Geschwister-Woche auf dem Sterntalerhof. Unsere Kunsttherapeutin Susanne erinnert sich: Für den Freitag Nachmittag haben wir eine besondere Veranstaltung geplant – ein Theaterstück, welches die Kinder erfinden und dann spielen können. Mit Begeisterung probten sie jeden Tag. Sophie war es möglich in der Theatergruppe ihr „EIGENSTES“ zu finden; weg vom „Funktionieren müssen“ hin zum „Sein dürfen“ – im Hier und Jetzt! Dies war so meine Wahrnehmung: "Sophie, du bist ja voll dabei und mitten drin!" Im gemeinsamen Arbeiten zunächst sehr zaghaft, konnte sie nach einigen Proben ihren Impulsen folgen und ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen. Sie hatte viel Spaß und letztendlich war es für die „Geschwisterkinderrunde“ eine gänzlich neue, gewinnbringende Erfahrung.


Sich trauen

Unsere HPV-Therapeutin Lisa, erzählt: Melanie verbrachte gemeinsam mit ihrer Familie eine Woche bei uns am Sterntalerhof. Die langen Spitalsaufenthalte haben der ganzen Familie viel Kraft gekostet. Als ich sie am Montag kennenlernte und ihr erzählte, dass ich gerne mit ihr zu den Pferden gehen möchte, war ihre Reaktion von Unsicherheit geprägt. Sie erzählte mir, dass Pferde sie sehr faszinieren, aber doch „sehr groß sind“. Als wir dann Benjamin, eines unserer Therapie-Pferde, holten, fing sie an zu weinen und sagte: „Ich kann das nicht! Bitte putz Du ihn alleine.“. Ich fing an Benjamin zu striegeln. Melanie schaute mir auf der Bank sitzend zu. Sie brauchte eine Pause, denn ihr Körper war nicht mehr so kräftig wie früher. Nach einigen Minuten stand sie auf und begann mir beim Striegeln zu helfen. Ich erklärte ihr, dass es Benjamin sehr gefällt, wenn er gestriegelt wird - es sei für ihn ähnlich wie eine Massage. Plötzlich legte Melanie ihren Kopf auf Benjamins Bauch und versuchte den Herzschlag zu hören. Tränen füllten erneut ihre Augen, nur diesmal ganz anders ...


Dankbarkeit


Beim Morgenkreis haben wir uns jeder eine Karte ausgesucht, zu der wir ein paar Worte sagen, warum wir gerade diese Karte gewählt haben. Daniel, ein herzkranker Bub, sucht sich eine Karte aus, auf der ein Geschenk abgebildet ist. Seien Worte: ”Ich habe mir das Geschenk ausgesucht, weil der Sterntalerhof mir diese Woche geschenkt hat.”


Der Feen-Tanz

„Der Zauber kann beginnen.“ Es wird noch ein paar Tage dauern, bis Anna diese Worte ausspricht. Jetzt steht sie mit unserer Kunsttherapeutin Susanne und sieben weiteren Kindern auf unserer Terrasse, am Boden liegen mehrere Bogen Papier. Es ist Geschwister-Woche am Sterntalerhof, die siebenjährige Anna ist zum ersten Mal alleine hier, ohne Mama und Papa und ohne Leonie, ihrer schwerkranken Schwester. Diese Woche gehört nur Anna – und anderen Geschwistern. Schüchtern steht sie in der Runde, hält sich im Hintergrund und beobachtet Susanne aus sicherer Distanz, wie sie das Papier am Boden ausbreitet. Auf jedem Blatt Papier steht ein Wort: “ängstlich”, “Pferd”, “Eis”, “Fee” und “Höhle”. Gemeinsam mit den Kindern hat Susanne diese Worte ausgesucht, jetzt wird eine Geschichte daraus. Die kleinen Schauspieler suchen sich ihre Rollen aus. Fabian spielt das Pferd, Anna möchte eine der Feen spielen. In den kommenden Tagen gestaltet sie gemeinsam mit den anderen Kindern ein Bühnenbild, sucht aus einer bunt gemischten Kuriositätenkiste das für sie passende Kostüm aus. Anna nimmt ihre Rolle ernst. Schon zwei Tage später steht sie auf der Bühne, in der Höhle mit dem verwundeten Pferd und mit den anderen Feen. Ihr Tanz wird dem Pferd helfen. Dicht hintereinander stehen die Feen in einer Reihe, schwingen die Arme, als wollten sie fliegen. Anna steht ganz vorn. Unsicher ertastet sie ihre Schritte, Susanne spürt ihre Anspannung: „Jetzt kann die Gruppe stützend sein“, lächelt sie „in der Gemeinsamkeit der Bewegung, die – wie bei einer Welle im Stadion – erst dann zur Geltung kommt, wenn jede einzelne Fee ihre Arme schwingt.“ Einmal, zweimal und noch einmal – spielerisch leicht und ganz ohne Druck. Langsam findet Anna ihren Weg in den Tanz, ihre Bewegungen werden flüssiger, wirken nicht mehr einstudiert. Und mit der Flüssigkeit der Bewegung entspannt sich ihr Gesicht. Die anfängliche Scheu weicht dem stolzen Lächeln einer glücklichen Fee.

Susanne hält inne. Schon bei der Probe wird sie spürbar, die Quintessenz ihrer Arbeit. „Alles, was ich dabei vorgebe, ist ein loser Rahmen – inhaltlich wie zeitlich. Es sind die Kinder, die das Theater mit Leben füllen. Wie sie das tun wird allenfalls beobachtet, nicht jedoch analysiert oder gar bewertet.“, sagt Susanne. „Das Vertrauen, etwas schaffen zu können, mit anderen, für andere und für mich. Im Schutz der Gruppe entwickelt sich Anna, erkennt ihre Entfaltungsmöglichkeiten, schöpft Selbstvertrauen und Mut.”


Etwas Besonderes schaffen

Es ist Freitag Vormittag und die Aufregung ist groß. Gleich ist es soweit und alle Kinder, die diese Woche am Sterntalerhof sind, ziehen sich um, schminken sich und üben nochmals die letzten Schritte. Sie haben die ganze Woche geprobt und eine „Tanzvorführung“ für die Eltern kreiert. Tanzpädagogin Claudia hat die Kinder dabei intensiv unterstützt und ist begeistert, was für eine tolle „Show“ sie erarbeitet haben. Nun geht’s los! Die Musik beginnt, die Kinder betreten die Bühne in ihren selbstgestalteten Kostümen und gehen in ihrem Tun ganz auf. Die Eltern staunen mit offenen Augen. Als die Musik verstummt gibt es tosenden Applaus, und so manche Träne kullert aus Elternaugen ... Claudia resümiert: Für die Kinder war es "nur" eine Tanzvorführung, für die Eltern "nur" ein einmaliges Erlebnis. Für mich wieder einmal die Bestätigung: Die Kombination von therapeutischen, pädagogischen und sensorischen Inputs auf Basis unserer langjährigen interdisziplinären Erfahrung führt zu nachhaltiger Effektivität im Familienalltag; oder anders ausgedrückt: wieder einmal ein typisches Sterntalerhof-Projekt!


Ruhe finden

In der Malwerkstatt herrscht buntes Kindertreiben. Und mitten drin der 6-jährige Markus. Während die Eltern seine unheilbar kranke Schwester Anna beim heilpädagogischen Reiten begleiten, hat er gerade sein erstes Bild fertiggestellt. Wunderschön ist es, und Markus ist mächtig stolz. Zu Hause spielt er meist nur die zweite Geige. Weil seine Eltern ihre ganze Kraft und Energie für Anna brauchen, die rund um die Uhr betreut werden muss. Er ist ein stilles Kind und hat wenig Selbstvertrauen. „Warum bin ich gesund und die Anna krank“, fragt er sich. Hier am Sterntalerhof lebt er sichtlich auf und kann Kind sein wie andere auch.


Klein und doch ganz groĂź

Die Zeiten mit den Therapie-Pferden sind für unsere kleinen Gäste regelmäßig etwas Besonderes: Der kleine Joachim sitzt auf der großen Gioiella und möchte gerne traben. Er hat einen selbständigen und ausbalancierten Sitz. Joachim sagt den Zauberspruch “Gioiella bitte Trab”. Gioiella beginnt ganz vorsichtig zu traben, damit sie Joachim nicht aus dem Gleichgewicht bringt.

Am Ende der Einheit umarmt er sie mit den Worten: “Danke liebe Gioiella, dass du so geflitzt bist!”. 


Im Schicksal wieder zueinander finden

„Irgendwann muss man den Gedanken aufgeben, ein gesundes Kind zu haben“. Sabine und ihr Mann Felix wissen, wovon sie reden: Von ihrer 7-jährigen Tochter Lisa, die mit einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung zur Welt kam. Monatelange Spitalsaufenthalte, unzählige Arztbesuche und die niederschmetternde Prognose, dass Lisa nicht das Erwachsenenalter erleben wird. Sabine hat längst ihren Job aufgegeben, Felix weiß nicht, wie lange er seinen noch ausüben wird können. Beide sind am Ende ihrer Kräfte – und ihrer Beziehung, die schwer darunter leidet. Hier am Sterntalerhof finden sie Ruhe und Zeit für sich selbst. Sie wissen Lisa in guten Händen und spüren erstmals nach langem, dass sie zueinander gehören.


Geschichte von Hannelore De Silva, Mutter

Jaja, der Alltag hat uns schon ganz wieder mit seinem dichtgedrängten Ablauf, aber wir sind schon alle immer noch sehr sehr inspiriert von der wunderbaren Zeit bei euch. Elli und ich stehen jeden Abend am Fenster und sagen "Gute Nacht Lisa, gute Nacht Sterntalerhof". Die Traumfänger und das Mobile hängen im Schlafzimmer und wir denken so oft an Euch.

Und ich wollte Dir auch noch berichten, dass unsere Krankenschwester und unsere Physio aus dem Staunen über Oscars Veränderung nicht mehr rauskommen. Oscar hat tatsächlich so profitiert vom Reiten, dass er viel stabiler ist und sie ganz viele tolle neue Übungen mit ihm machen. Er schafft es sogar teilweise sich im Stehen zu halten, und das ist vorher fast gar nicht gegangen. Unglaublich was sich da getan hat. Und er ist auch immer noch so ausgeglichen, man hat das Gefühl, dass die Zeit bei Euch auch seiner Psyche gut getan hat.


Normalität erleben

Und plötzlich schneit es große Flocken, die Bäume werden angezuckert und Spuren werden beim Gehen im Schnee hinterlassen. Ja, der Winter ist ausgebrochen. Der kleine Thomas sitzt im Schnee und freut sich über jeden Schneeball, der auf ihn zugeflogen kommt. Sprechen kann er nicht, aber sein Lachen spricht mehr als tausend Worte. Thomas hat auch Julia und Nicola inspiriert, hinaus in den Schnee zu gehen. Das Gesellschaftsspiel wird unterbrochen, Martin und Johannes werden “schneefertig” gemacht. Die beiden Buben sitzen nämlich im Rollstuhl, können sich aber mit ihrem E-Rolli oft flinker bewegen als wir es tun. Wir gehen hinaus und schon geht`s los. Julia und Nicola sowie die Familie vom kleinen Thomas bewerfen einander enthusiastisch mit Schneebällen. Die Zuschauer im Haus vor dem großen Fenster in der Küche werden immer mehr und verfolgen das Spektakel. Martin und Johannes flitzen hin und her und versuchen den Schneebällen zu entkommen. Das Lachen ist bis zum Stall zu hören. Auch die Schneefrau Berta beobachtet das harmonische Treiben rund um sie herum.


Ein Moment der Ruhe

Therapeutin Claudia vom Sterntalerhof und Sandra K. spazierten nach dem Mittagessen zur Lafnitz – ein ruhig dahinplätschernder Fluss, mitten im Naturschutzgebiet Lafnitztal, nur 15 Gehminuten durch den Wald hinter dem Sterntalerhof. Es war mitten im Herbst, der Nebel hing tief und weit und breit keine Menschenseele. Sie genossen die ruhige Atmosphäre, spürten die Kälte auf den Wangen und schwiegen. Langsam entwickelte sich ein Gespräch, weil es Sandra K. schon lange am Herzen lag:
Vor einem Jahr musste sie von ihrem Sohn Abschied nehmen. Sie erzählte von diesem Jahr, und die Tränen begannen zu fließen. Sie sprach und sprach, und die Zeit schien still zu stehen. Irgendwann an diesem Nachmittag landeten sie wieder am Sterntalerhof. Claudia hatte "nur" zugehört, führte die Mutter in die Gemeinschaftsküche und bereitete einen heißen Tee. Die Wangen wärmten sich wieder und die Tränen trockneten. Sandra K. genoss diesen Moment der Ruhe. Sie trank ihre Tasse gemächlich aus, atmete tief durch und schaute aus dem Fenster. Weiter hinten konnte sie die Pferde auf der Koppel beobachten. Plötzlich galoppierten Benji und Gioiella verspielt und verrückt über die Koppel, Sandra K. musste lächeln.

Manchmal hilft am meisten, wenn einfach nur jemand da ist: in höchster Empathie und völliger Ruhe.


BerĂĽhren und berĂĽhrt werden

Tim, ein 10-jähriger Bub mit einer schweren Herzerkrankung, hat eine Woche bei uns am Sterntalerhof verbracht. Er hat uns wieder einmal gelehrt, was es bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben. Der Wunsch seines Aufenthaltes war, mit Menschen über seine Sorgen zu reden. Er hat nach kürzester Zeit Vertrauen gefunden und seine Sorgen, Ängste und Befürchtungen mit uns geteilt. Bemerkenswert war die Weisheit, die er mit seinen 10 Jahren mitgebracht hat. Eine seiner Aussagen: “Ich finde, dass Erwachsene zu viel nachdenken.” Wir erleben immer wieder die Gabe der Kinder, direkt auf gewisse Dinge zuzugehen. Ehrlichkeit und Direktheit leben anstatt Worte zu suchen für Gedanken, die man nicht auszusprechen imstande ist.

Danke Tim, dass Du uns gezeigt hast, wie kurz der Weg zu einem anderen Menschen sein kann. Schon Peter Kai, der BegrĂĽnder des Sterntalerhofs, meinte einmal, dass man nur berĂĽhren kann, wenn man selbst berĂĽhrt wird. Das zeigen uns die Menschen am Sterntalerhof immer wieder. 


Die stille Post

Jeden Morgen starten wir mit einem gemeinsamen Morgenkreis, ein ritueller und gleichzeitig spielerischer Einstieg in den Tag. Ein Teil jedes Morgenkreises ist es, unsere Köchin Bianca zu fragen, was es denn zum Mittagessen gibt. Dies haben wir an jenem speziellen Tag in ein Spiel verpackt. Die Kinder schicken ihre Mami Luise zum Erfragen des Mittagessens zu Bianca, und Luise muss dann das, was sie gehört hat (GrieĂźnockerlsuppe und Ebly-GemĂĽsepfanne), weiterflĂĽstern. Wir spielen stille Post. Zum Schluss kommt folgendes Mittagessen heraus: Griesgram ABC. Und flux huscht allen im Kreis ein Lächeln ĂĽbers Gesicht. 


Einmal ein richtiger “Cowboy” sein.

“Heute Nachmittag sind wir alle Cowboys!”, freut sich Fabian, der gemeinsam mit drei weiteren Buben in die Therapie-Reithalle läuft. Alle vier haben einen Bruder, der schwerkrank ist, und verbringen gemeinsam eine Woche mit ihrer ganzen Familie am Sterntalerhof. Heute Nachmittag sind die “Männer” unter sich und werden gemeinsam stark, kräftig und furchtlos sein - wie die “Cowboys” im Wilden Westen.

In der Halle ist ein Parcour aufgebaut: Leere-Dosen-Umwerfen, Hufeisen hämmern, einen “reißenden Fluß” überqueren - meisterbare Herausforderungen für kleine Helden. Benji, unser Therapie-Pferd, wartet schon auf die Buben. Auch ihm wird ein Halstuch und Cowboy-Hut angezogen - schließlich ist Benji Teil der Gruppe. Fabian startet mit der ersten Herausforderung: Ein reißender Fluß “muss” überquert werden. Mutig setzt er sich auf Benji, hält kurz inne und überlegt, an welcher Stelle er den Fluß passiert und dann folgt das Kommando: “Benji, bitte Schritt!”. Konzentriert reitet er hin, hebt seine Beine an der richtigen Stelle, damit er nicht nass wird, und dann: Geschafft! Die anderen “Kameraden” jubeln, Fabian strahlt.

HPV-Therapeutin Silke resümiert: “Es ist dieses Geschafft-Gefühl, das Erfolgserlebnis, um das es geht. Die Reitpädagogik kreiert Fantasiewelten. Dabei steht jedes Kind einmal im Mittelpunkt und meistert mit dem Pferd eine Aufgabe, während ihm die anderen unterstützend zur Hand gehen. Spielerisch werden Konzentration, Motorik und soziale Kompetenz gefördert. Und nicht zu vergessen: Der Spaß ist immer dabei.


Geschenke

Bei einer Kindergruppe in der Kunsttherapie gestalten wir ein Abschlussbild, auf dem jedes Kind dem anderen Kind zeichnender Weise ein Geschenk macht. Das fertige Bild darf das Kind, dem das Blatt gehört, dann mit nach Hause nehmen. Ein Mädchen zeichnet ein paar Herzen auf jedes einzelne Bild und meint dazu: "Herzerl verteilen tu' ich immer, weil das Motto heißt ja: Herzerl frisch!"


Danke sagen - Die Geschichte von Familie Kronlechner

Der Sterntalerhof ...

... unsere Ruheoase, unser Familienratgeber und vor allem unsere ganz besondere Kraftquelle ...

... für unsere Tochter Selina der schönste und tollste Ort, den es auf der ganzen Welt gibt ...


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